Sonntag, 18. November 2012

Die richtige Pflege für gesundes, langes Haar und entspannte Kopfhaut; Teil 3: Zur Reinigung/Wäsche des Haares

Endlich wird diese kleine Serie weitergeführt, es wird Zeit!

Teil 1 (Das richtige Werkzeug)
Teil 2 (Kamm oder Bürste und wie wende ich diese möglichst haarfreundlich an?)

Als nächstes Thema habe ich mir das Waschen der Haare ausgewählt, ein Vorgang, den die meisten regelmäßig durchführen werden. Auch hier kann man einige Aspekte beachten, um die Haare möglichst zu schonen. Am Ende möchte ich einige andere Optionen als die mittlerweile übliche Haarwäsche mit Shampoo kurz aufzeigen, den Einsatz von Lavaerde möchte ich z.B. aber selbst noch ausprobieren und werde ihm wohl einen eigenen Teil dieser Serie zukommen lassen.

1. Sinnvolle Vorbereitungen auf das Waschen

Selbst wenn ihr nur wenig Zeit habt und/oder unterwegs seid, solltet ihr es nicht versäumen, eure Haare zu entwirren und von grobem Schmutz zu befreien, bevor ihr eure Haare letztendlich unter Dusche oder in/über der Wanne säubert. Ich selbst entwirre meine Haare mit den Fingern und kämme nach Bedarf vorsichtig nach. Habt ihr Styling-Produkte verwendet, kann es sinnvoll sein, gerade den Ansatz langsam und umsichtig durchzubürsten. Welches Tool ihr zum Entwirren ihr letztendlich verwendet, liegt aber natürlich bei euch (die ersten beiden Teile meiner Haar-Serie dürften aber vielleicht diesbezüglich interessant sein.)
Habt ihr mehr Zeit, könnt ihr eurer Kopfhaut besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen und sie mit der Hand oder einer WBB (Wildschweinborstenbürste) massieren. Dies bietet sich vor dem Waschen besonders an, da nicht nur die Durchblutung, sondern auch die Talgproduktion dabei angeregt wird. Seid ihr vielleicht sogar einige Stunden vor dem Waschen zu hause und müsst nicht mehr unter Leute, könnt ihr eurer Kopfhaut und v.a. auch den Längen mit einer Ölkur (über verschiedene Öle und die Anwendung werde ich einen eigenen Post verfassen) etwas Gutes tun. Das kann eine halbe Stunde vor der Haarreinigung sein, mehrere Stunden, am Besten auch über Nacht. Das Öl pflegt nicht nur Haare und Kopfhaut, sondern schützt auch das Haar vor den Strapazen (nicht nur) einer Wäsche. Als Alternative zu Öl bieten sich diverse selbstgemischte oder gekaufte Haarmasken an.

Eine kleine Auswahl möglicher Öle für eine Haarkur vor dem Waschen

2. Überlegungen zur Wahl des Shampoos

Beim Waschen der Haare und der Kopfhaut wird nicht nur das Sebum (das von der Kopfhaut produzierte Fett zur Pflege), das uns optisch stört, entfernt. Je aggressiver das Reinigungsmittel, desto mehr wird auch die Kopfhaut und die Haare an sich ausgetrocknet. Ich mag besonders den Vergleich der Haare mit einem wertvollen, empfindlichen Wollpullover. Diesen würden wir wohl kaum öfter als nötig waschen und wenn möglichst schonend und mit sanften Waschmitteln. Auch das Haar und v.a. die Kopfhaut freut sich über möglichst wenig Haarwäschen. Darüber und wie man denn bitteschön weniger Waschen soll, wenn doch die Haare so schnell fettig werden, werde ich noch einen eigenen Beitrag verfassen. Dieses Thema ist nicht nur sehr spannend, sondern sehr vielseitig und schier endlos.
Sehen wir uns also erst einmal an, welches Shampoo wir auswählen, wenn wir gleich zum Waschen an sich kommen. Shampoos an sich können eine Vielzahl an Inhaltsstoffen enthalten, natürlich auch pflegende Stoffe. Um eine Reinigungwirkung zu erzielen, werden bei derartigen Produkte Tenside, also waschaktive Substanzen eingesetzt. Diese entfernen Sebum und Schmutz auf chemische Weise. Tenside sorgen für Schaum, lösen Schmutz und lassen diesen dann wieder ausspülen. Wir unterscheiden eine Vielzahl von Tensiden, die in Shampoos eingesetzt werden. Auch im Bereich der Naturkosmetik finden wir aggressive Tenside, sowie auch eher sanfte Varianten. Beim Einordnen der Tenside (fast immer findet man eine Kombination mehrerer waschaktiver Substanzen) hilft natürlich google, oder auch Codecheck. Ich kann aber auch gerne dazu noch einen Beirag verfassen. Natürlich kann man jetzt denken, dass man sich dann einfach ein Shampoo mit besonders milden Tenside sucht. Das ist an sich eine gute Idee, aber die Waschwirkung ist dadurch eben auch geringer, auch wenn sie sich durch Einwirken intensivieren lässt. Gerade bei öligen Haaren (ob fettig oder eingeölt) kann hier ein seht mildes Tensid schon zu schwach sein. Auch kann es bei bestimmten Tensiden, seien sie noch so sanft, zu Unverträglichkeiten wie Jucken, Haarauswahl etc. kommen. Hier hilft nur ausprobieren, was man selbst verträgt. Wirklich agressive Tenside, wie z.B. Sodium Laureth Sulfate, wie sie oft in konventionellen Shampoos eingesetzt werden, würde ich aber so und so meiden. Tatsächlich muss aber ein Shampoo als "Gesamtkonzept" begreifen, d.h. mit all seinen INCIs. Je mehr und je reichhaltigere Pflegestoffe enthalten sind, desto weniger aggressiv kann sich das Tensid auf dem Kopf entfalten. Auch kommt es darauf an, wie hochkonzentriert (damit meine ich, wie viel Prozent des Produkt ein Tensid ausmacht) eine waschaktive Substanz ist. Das lässt sich zumeist nur abschätzen, dadurch, an welcher Stellen in den INCIs sie steht. Darüberhinaus sollte natürlich auch darauf geachtet werden, dass je nach Typ von Kopfhaut und Haar eher mehr oder weniger Pflegestoffe, wie z.B. Öle enthalten sind. Am besten orientiert man sich dabei an der Kopfhaut und daran, wie schnell sie fettet. Den Längen kann eine Portion Extra-Pflege besser durch Kuren, Ölen, etc. zugeführt werden.

3. Beim Haarewaschen

Aber jetzt machen wir erst mal unseren Kopf samt Haaren mit möglichst kühlen Wasser gut naß. Heißes Wasser stresst besonders die Haarlängen, lässt die Schuppenschicht der einzelnen Haare aufquillen und austrocknen. Ich nutze unter der Dusche an dieser Stelle lauwarmes Wasser, wasche ich mit dem Kopf über der Wanne wähle ich eiskaltes Wasser. Ist das Haar schön naß, könnt ihr natürlich gleich eurer Shampoo auftragen. Einige Langhaar-Beautys schwören aber auch darauf, die Längen zuvor mit Spülung zu pampern, um sie vor dem herunterlaufenden Shampoowasser zu schützen. Habt ihr zuvor eure Haare geölt, hat dies einen ähnlichen Effekt. Gebt einen kleinen Klecks Shampoo in eure Handfläche, etwas Wasser dazu und schäumt das Produkt schon etwas auf, so könnt ihr es besser verteilen und das Shampoo landet nicht zu konzentriert auf einigen wenigen Stellen. Ihr könnt das Shampoo auch in einem extra Behälter mit etwas mehr Wasser verdünnen.

Ein leicht transparenter Messbecher eignet sich sehr gut zum Verdünnen und Verteilen von Shampoo

Dadurch schwächt ihr die Wirkung der Tenside auch etwas ab, v.a. wenn ihr durch das Mischen mit Wasser die Shampoomenge reduzieren könnt. Das Shampoo tragt ihr dann nur im Bereich des Haaransatzes gleichmäßig auf. Intensives Einmassieren in die Kopfhaut würde ich möglichst reduzieren, um sie nicht übermäßig auszutrockenen. Die Längen werden durch das Abspülen des Shampoos durch herunterrinnendes Shampoowasser genug gereinigt und sollten nicht direkt einshampooniert werden. Je nach Stärke eurer Tenside lasst ihr nun das Produkt einwirken oder spült es sofort wieder ab. Nach Bedarf könnt ihr eure Haare ein zweites Mal Waschen, öfter braucht man (selbst mit stark eingeöltem Haar)wirklich nicht. Danach bietet sich je nach Vorliebe eine Spülung, eine Haarkur, Essig-Wasser-Spülung, abgekühlter Tee und vieles mehr an, um die Haare zu Pflegen. Auch dieses Thema hat gewiss einen eigenen Post verdient.
Habt ihr alle Produkte ausgewaschen, solltet ihr möglichst mit kaltem Wasser die Prozedur abschließen. So wird sich die Schuppenschicht der Haare zusammenziehen, was für mehr Glanz sorgt. Wenn man sich ein wenig von seinem Haar wegbiegt und -dreht friert man auch fast gar nicht...

4. Über den Umgang mit dem gewaschenen Haar

Nach dem Waschen könnt ihr das Haar noch in der Dusche/über/in der Wanne vorsichtig ausdrücken. Seid hier sehr vorsichtig, da das Haar im naßen Zustand besonders sensibel und anfällig ist. Auswringen vermeide ich, ich drücke das Haar lieber ganz sanft von oben nach unten mehrmals aus, anstatt es zusammenzudrehen. Das Haar lasst ihr jetzt am besten in einem weichen und saugfähigem Handtuch (da gibt es ja einiges, auch speziell für die Haare) weiter trocknen. Bloß nicht rubbeln, das kann die Haare total schädigen und verklettet sie nur unnötig.
Ist das Haar Handtuchtrocken, könnt ihr es mit gekauften oder selbst gemixten Leave-Ins (also Pflegeprodukten, die im Haar verbleiben und nicht mehr ausgewaschen werden) pflegen, z.B. Öl. Wer hier Probleme mit dem Dosieren hat, sollte sich nur auf die Spitzen beschränken, bzw. erst einmal mit wenig an Menge beginnen.
Wie euer Haar vollständig trocknet, liegt bei euch. Ihr könnt es Föhnen (googelt mal, was Hitzetools mit dem Haar anstellen, unschön) und dadurch strapazieren, oder es Luftrocknen lassen (yeah!). Letzteres braucht natürlich Zeit, weswegen ich meist abends wasche. Übrigens lasse ich mein Haar auch im Winter Lufttrocknen und habe keinerlei Probleme damit. Kämmen und Entwirren solltet ihr euer Haar im möglichst trockenen Zustand. Damit es nicht in seltsamen Positionen antrocknet, entwirre ich mein Handtuchtrockenes Haar nur kurz mit den Händen und ziehe so grob meinen Scheitel. Kämmen/Bürsten solltet ihr wirklich nicht, wenn die Haare naß sind, da sie einfach leichter brechen/reißen/beschädigt werden können. Wenn es aber gar nicht anders geht und sie sich sonst total verknoten würden nach dem Trocknen (ich denke da an Lockenköpfe), dann seid wirklich ganz vorsichtig dabei.

5. Kurzer Ausblick auf Alternativen zu Shampoos

Ich bin jetzt in diesem Beitrag davon ausgegangen, dass der Großteil sich das Haar mit Shampoo wäscht. Dabei gibt es einige Alternativen, die ich euch Überblicksartig und der Vollständigkeit halber kurz vorstellen will. Dazu gehört zum einen die Haarseife, selbstgesiedet oder gekauft. Diese sind mehr oder weniger stark überfettet (viele pflegende Öle!) und daher auch pflegend/nicht so strapaziös wie das Haar wie das "Durchschnittsshampoo". Da bei der Verseifung von Ölen und Fetten auch Glycerin entsteht, habe ich mich in das Gebiet der Haarseifen nicht vorgewagt, da ich den Inhaltsstoff nicht vertrage.
Weitere Möglichkeiten sind das Waschen mit Natron, (indischen) Kräutern oder auch Lavaerde. Möglich ist auch, nur mit Conditioner oder gar ausschließlich mit Wasser zu waschen.
Mein Anliegen ist es an der Stelle nur, kurz auf Alternativen zu Shampoos zu verweisen. In das Thema könnt ihr euch zum Beispiel im Langhaarnetzwerk weiterführend einlesen. Interessiert ihr euch besonders für das Tensidfreie Waschen, dann lege ich euch das extrem spannende Projekt von Pseudoerbse ans Herz. Geniale und sehr informative Posts, v.a. wenn man sich einen kurzen Überblick verschaffen will und an individuellen Erfahrungen interessiert ist.
Zu guter Letzt sei noch kurz erwähnt, dass auch möglich ist, ganz auf eine Wäsche der Haare zu verzichten. Der Gedanke dahinter ist, dass das Haar irgendwann nicht mehr nachfettet, da ihm ja nicht immer wieder das Sebum entzogen wird. Die Kopfhaut reguliert sich also selbst. Gereinigt wird hier nur von groben Schmutz und zuviel Fett, indem z.B. mit der WWB gebürstet oder mit den Nägeln die Kopfhaut massiert und "gekratzt" wird. Ein interessanter Ansatz, v.a. wenn man bedenkt, dass früher die Haare zumindestens ohne moderne Waschmittel auskamen/auskommen mussten. Irgendwann möchte ich wenigstens Phasenweise auf das Waschen verzichten, momentan bleibe ich dabei, einfach möglichst wenig zu waschen. Übrigens werde ich demnächst Lavaerde ausprobieren, wenn mich Erbses Erfahrungen dazu inspiriert haben, dann hat mir Julies Blogeintrag u.a. dazu dann doch den letzten Stupser gegeben.

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Puh, ein nicht gerade kurzer Post und doch hätte ich noch endlos weiter schreiben können. Gut, dass ich im Laufe dieser Haarserie noch einige Themen und Aspekte, auch in Bezug auf die Haarwäsche näher aufgreifen kann. Und gut, dass ich diese Serie endlich weitergführt habe. Auch wenn sie doch etwas Arbeit bedeutet, macht sie mir doch sehr Spaß, ich hoffe euch auch.


Wie sieht eure Haarwäsche-Routine aus?

Kommentare:

  1. Ein sehr interessanter Post- vielen Dank für deine Mühe :)
    Ich lasse meine Haare auch gerne an der Luft trocknen, aber im Winter bekomme ich es einfach nicht hin, da ich schnell friere und auch ungern mit nassem Haar schlafen gehe...
    Ich bin schon ganz gespannt, was du noch so über Tenside zu berichten hast.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag :)

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  2. Hey :)
    Danke dir fürs Verlinken.
    Super interessanter Artikel. Fasst alles wunderbar zusammen. Danke für deine Mühen.

    Liebe Grüße
    Erbse

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  3. Ganz toller Artikel und eine schöne Übersicht über Haarpflege...ich freue mich schon auf den nächsten Post der Reihe und bin neugierig auf deine Erfahrungen mit Lavaerde=)

    Hier ist eine schöne Übersicht an irritierenden bzw. nicht irritierenden Tensiden:
    http://www.kosmetik-check.de/themen2012_08.php

    Und das hier ist eine ausführliche Analyse von Shampoos. Achja immer wieder übel zu sehen, was in KK-Produkten drin ist bzw. nicht drin ist xD
    http://www.kosmetik-check.de/themen_024_de.php

    (Falls die Links nicht erwünscht sind, einfach rauseditieren;))

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  4. @Ahnungslose Wissende: Gerne. :) Ich bin da mittlerweile echt hartgesotten, was Haare im Winter trocknen angeht. Aber ich achte darauf, dass ich warm eingepackt bin und das Handtuch möglichst lang aufbehalte und ggf. wechsle.

    @Erbse: Gern geschehen. :)

    @Kim: Danke. :) Derartige Links sind immer gern erwünscht, wissenschaftliche Themen kann ich mir ja nicht aus den Fingern saugen. ;)

    Liebe Grüße an euch :)

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  5. genialer artikel! vielen dank dafür!

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  6. Gerne und Danke für dein Lob, das freut mich sehr! :)

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  7. ein sehr toller artikel :)
    ich hau mir meistens auch immer eine ölkur in die haare, bevor ich schlafen gehe. doch leider eignet sich das neue lavera ringelblumen shampoo nicht so toll zum auswaschen, deswegen kommt, wenn ich eben das benutze, meistens nur eine haarkur rein oder gar nichts -.-
    ich bin ein riesen anhänger von shampoos. ich habs einmal probiert, meine haare mit seife zu waschen und es ging in die hose. obs mit lavaerde besser wäre will ich gar nicht probieren ;)

    lg
    svetlana

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  8. @S: Hey S, freut mich, dass dir der Post gefällt. :) Hmm, meine Kopfhaut zickt zurzeit so rum, seit ich das Apfel Shampoo von Lavera getestet habe. Deshalb probiere ich dann doch gerne was anderes...

    Liebe Grüße :)

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  9. Wirklich super, hab einige neue Dinge erfahren und werde jetzt mehr auf die Pflege meiner langen Haare achten.
    Bin eben beim Friseur gewesen und ein Profi-Blick auf meine Haare hat gezeigt, dass ich etwas ändern muss, Spliss
    ohne ende :O Jetzt versuche ich, meine Haare richtig zu pflegen, deine Einträge helfen mir dabei :-)

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  10. @Anonym: Danke für das Feedback, freut mich! :) Viel Erfolg und v.a. auch Spaß beim Pflegen deiner Haare!! :)

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